Home
Ziele
Berichte
Bilder
Links
Kontakt
Gästebuch
Spitzensportler engagieren sich: «Sportler für Organspende»
 

Stuttgart - Immer mehr Sportler engagieren sich für die Organspende. «Ich möchte natürlich 100 Jahre alt werden. Aber wenn ich gehen muss, will ich an meinem Lebensende ein anderes Leben retten», so Tennis-Ass Boris Becker zur Initiative «Sportler für Organspende».

Auch Rad-Profi Jan Ullrich und Turn-Weltmeister Eberhard Gienger stehen dem Thema aufgeschlossen gegenüber. «Organspende ist für mich ein Stück Kameradschaft», sagt der Tour-de-France-Sieger. Gienger, inzwischen Bundestagsabgeordneter, erklärt, warum er Organspender ist: «Wenn meine Zeit gekommen ist, sollen andere das Glück haben, zu leben.» So sieht das auch Franz Beckenbauer, der die Fußball-WM nach Deutschland geholt hat: «Wenn ich mal den Schirm zumache, kann man über meinen Körper verfügen.» Der «Kaiser» hofft, dass die Bereitschaft zur Organspende in der Bevölkerung steigt: «Wenn der liebe Gott etwas dagegen hätte, würde er den medizinischen Fortschritt der Transplantation nicht zugelassen haben.»

Becker und Beckenbauer, Steffi Graf und Michael Schumacher, Jürgen Klinsmann und Ullrich führen die Liste der Initiative «Sportler für Organspende» an. Ins Leben gerufen hat diese Hans Wilhelm Gäb; der Vorsitzende der Deutschen Sporthilfe verdankt sein Leben einer Lebertransplantation. Nach Angaben des Arbeitskreises Organspende (Neu-Isenburg) warten 14 000 Menschen auf ein Spenderorgan. Sie stehen «auf den Wartelisten zwischen Tod und Leben», wie Gäb als Betroffener die Situation beschreibt. Denn der Bedarf ist mehr als doppelt so groß als das Angebot. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland 2300 Nieren, 750 Lebern und 400 Herzen verpflanzt. Auch im Körper von Hartwig Gauder schlägt ein fremdes Organ; der Geher- Olympiasieger von 1980 erhielt 1996 ein Spenderherz.

Gäb bezeichnet die Athleten als «Lebensretter». «Morgen können wir es sein, die Hilfe brauchen», sagt der Fußball-Bundestrainer Klinsmann. Und Steffi Graf meint: «Wir möchten dazu beitragen, dass viele Menschen informiert sind und eine Entscheidung zur Organspende treffen.» «Schumi» hat dies getan. «In der Gesellschaft bedeutet Teamgeist, anderen zu helfen. Als Organspender kann man das auch über den eigenen Tod hinaus tun», sagt der Formel-1-Weltmeister. TV- Moderator Günter Jauch nennt für sein Motiv ein Beispiel: «Wer einmal in die strohgelben Augen eines leberkranken Kindes geschaut hat und das mit dem strahlenden Blick nach einer geglückten Transplantation vergleicht, der wird alle Bedenken zurückstellen.»

Franziska van Almsick hatte am Anfang noch «ein mulmiges Gefühl» dabei. Doch heute sagt die Schwimm-Weltmeisterin: «Ich weiß, dass im Falle eines Unfalls erst alles dafür getan wird, mein Leben zu retten, und erst dann die Organe entnommen werden, wenn zwei Ärzte unabhängig voneinander den Tod feststellen.» Dann schlagen womöglich die Sportler-Herzen im Körper eines anderen Menschen weiter.

© dpa - Meldung vom 06.02.2006 11:21 Uhr