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Auf der Suche nach dem rettenden Herz

Sieben europäische Staaten wollen die Organspende reformieren / Forschungsprojekt gestartet

Das Ziel sind mehr Organspenden, der Weg ist ein aufwändiges Forschungsprojekt mit EU-Förderung: Sieben europäische Nationen werden in den nächsten drei Jahren die Praxis der Organtransplantation untersuchen, um sich künftig besser abzustimmen.

VON HANS-HELMUT KOHL

Paris · 6. Dezember · Alliance-O, so der Name des am Freitag in Paris präsentierten Forschungsvorhabens, vereint Institutionen aus Deutschland, Spanien, Frankreich, Ungarn, Italien, Portugal und Großbritannien, die in ihren Ländern für die Übertragung von Organen zuständig sind. Federführend ist das französische Transplantationsinstitut (Etablissement des greffes) in Paris, dessen Leiterin Carine Camby das zwei Millionen Euro teure Projekt vorstellte. Die Bundesrepublik wird durch das Berliner Gesundheitsministerium und die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) repräsentiert.

Die EU betreibt ein Rahmenprogramm für Forschung und technologische Entwicklung: Era-Net. Darin soll Alliance-O - nach einer detaillierten Bestandsaufnahme bis 2007 - durch abgestimmte öffentliche Aktionen den so genannten Spender-Pool ausweiten helfen. Carine Camby betont, dabei komme es auf "Qualität und Sicherheit" bei den Transplantationen an - aber auch entscheidend auf "Fragen der Zuteilung und Effizienz", die in den teilnehmenden Ländern sehr unterschiedlich gehandhabt würden.

Wann ist der Mensch hirntot?

Weitere Forschungsziele betreffen ethische und rechtliche Fragen, die angesichts der unterschiedlichen kulturellen und religiösen Entwicklung in den einzelnen Ländern ebenfalls sehr differenziert gesehen werden. So beschäftigt sich eine der Fragestellungen mit der Definition des Hirntodes, dessen Feststellung die Voraussetzung für eine Organentnahme ist

Auch die Praxis des illegalen Handels mit Organen oder die so genannten "Lebendspenden", etwa bei Nieren, gehören zu den Aufgaben, die sich Alliance-O gestellt hat. Statistische Auswertungen und eine Bestandsaufnahme der Grundlagenforschung in den Teilnehmerländern runden das Projekt ab, an dessen Ende eine Harmonisierung der Organspendenpraxis stehen soll.

Denn in allen europäischen Ländern wächst die Kluft zwischen der Zahl der Patienten, die mit Hilfe einer Transplantation geheilt werden könnten, und der Zahl der Spender, die bereit sind, im Falle ihres Todes ein oder mehrere Organe entnehmen zu lassen. Dieser Mangel an Spendern führt vielfach zu schwierigen Situationen bei der Zuteilung von Organen für Patienten, die oft monatelang auf Wartelisten verharren müssen.

Wie sich in Italien zeigte, kann auch eine unkonventionelle Herangehensweise diesen Zustand verbessern. Dort werden seit dem Jahr 2002 auch "belastete" Organe, etwa von Spendern, die Hepatitis C-Träger sind, zur Transplantation zugelassen, wenn die Empfänger ebenfalls diese Krankheit aufweisen. Dies habe zu 200 zusätzlichen Organübertragungen geführt, berichtete der Vertreter des nationalen italienischen Transplantationszentrums.

[Copyright © Frankfurter Rundschau online 2004. Dokument erstellt am 06.12.2004 um 17:08:01 Uhr. Erscheinungsdatum 07.12.2004]